online am 16. März 2020

Zeit mit dem Coronavirus

Im Dezember 2019 wurden die ersten Coronafälle in der chinesischen Millionenstadt Wuhan auffällig. Bereits im Januar 2020 entwickelte sich die neuartige Atemwegserkrankung zur Epedemie in der Volksrepublik China und breitete sich weltweit aus. Auch unser Land ist betroffen. In den letzten beiden Wochen haben sich die Empfehlungen und Maßnahmen der zuständigen Behörden, der Landes- und Bundesregierung fast täglich verschärft.
Für mich erscheint diese weltweite Krise oft surreal. Ich warte manchmal darauf, dass mich jemand in den Arm kneift und ich aus einem bösen Traum erwache. Das ist nur ein Wunsch.
Heute, Freitag, den 13. März 2020, wurde beschlossen, dass ab Montag alle Kitas und Schulen geschlossen bleiben.
Großveranstaltungen finden schon seit einiger Zeit nicht mehr statt. Sportveranstaltungen werden vor leeren Rängen durchgeführt. Einige Sportarten haben ihre Saison beendet, andere sind verschoben, ohne Bekanntgabe von Nachholterminen.

Diese Informationen kennt ihr sicher, denn Radio und Fernsehen berichten non stop. Täglich schränken die Maßnahmen unseren persönlichen Lebensraum immer weiter ein. Manchmal lasse ich beides aus, denn die Berichte deprimieren mich.
Empfohlen wird zu Hause zu bleiben. Darin habe ich Übung, denn mein Rollstuhl ist seit 2 Wochen defekt. Wenn ich einige Meter fahre, bleibt er stehen. Ein-, ausschalten hilft. Weiter geht’s.
Seit 2 Wochen bin ich nicht mehr an der frischen Luft gewesen und kein Techniker in Sicht. Warum ich das erzähle? Ich habe positive Erfahrungen mit dem „Eingesperrt sein“ gemacht. Am Anfang dachte ich „Das überlebe ich nicht.“ Dann habe den Kroll auf mich und meine Umwelt verscheucht und in aller Ruhe überlegt, wie ich mit der nervenaufreibenden Situation umgehe. Das Ergebnis: Ein geregelter Tagesablauf und „Sachen erledigen“, die ich immer schon oder wieder machen wollte.
Viel Zeit verbringe ich an meinem PC. PC aufräumen, Daten sortieren, meine Homepage pflegen, meine geschriebenen Worte zusammenstellen, Musik und Fotos neu organisieren und…
Es ist lange her, dass ich in aller Ruhe Musik gehört, ein Buch gelesen oder ein Hörbuch gehört habe.
Die letzten 2 Wochen sind schnell vergangen. Ich freue mich, dass noch mehr Zeit bleibt für mein „Sachen erledigen“.
Es gibt Dinge wie „Kreuzworträtsel“, „Sudoko“, „Übungen für den Körper“, „Mensch ärgere Dich nicht“, „Mühle“, „Dame“, „Halma“, … Vieles, was durch die digitale Zeit vergessen wurde. Denkt zurück an eure Jugend oder fragt eure Eltern oder Großeltern.

Vielleicht fällt Euch was ein. In Italien singen die Menschen auf den Balkonen oder vor geöffneten Fenstern. Meldet Euch bitte und teilt mir Eure Ideen mit. Ich veröffentliche sie gern und die Leser*innen finden was zur Überbrückung des „eingesperrt Seins“.

Ideen an E-Mail: ms-ist-leben@efg-software.de

Maria Eifrig, März 2020

 

online am 13. Februar 2020

Die Carrera Bahn

„Ich fuhr fort, um zu beobachten.“ sagte der Mann, der viel unterwegs war. Er hatte angehalten um seinen Tank mit Benzin zu füllen und seinen eigenen Akku mit frischer Luft zu versorgen.
Wir verstanden nicht, was er uns sagen wollte. Wen, was, wie und wo wollte er hin um zu beobachten. Hier bei uns auf dem „platten Land“ gibt es nichts Besonderes. Vielleicht hat er sich verfahren. Wir gingen zu ihm und wollten ihn befragen. Da sahen wir, wie er seinen Sitz in einen Liegesitz verwandelte, sich hineinlegte und die Decke seines Autos anstarrte. Wir folgten seinem Blick, konnten jedoch nichts erkennen. Plötzlich fing er an zu erzählen:
„Etwas leuchtet in meinem Autodach. Ich weiß nicht, was es ist. Es strahlt wie ein Karfunkel. Je länger ich es betrachte, umso mehr kann ich erkennen. Ein kleiner Spalt grellen Lichtes lässt mich in ein Zimmer blicken. Kinder spielen mit einer Carrera Bahn. Manchmal stürzt ein Rennauto neben die Fahrstrecke, dann gibt es viel Lärm und …“

Er hört auf zu erzählen und sagt „ich muss weiter, jemand aus dem Zimmer hat mir einen Weg erklärt, wo es einen schöneren, größeren Karfunkel für meinen Autohimmel gibt und wenn ich mich beeile, schaffe ich es noch bis zum Einbruch der Dunkelheit. Danke für Benzin und Sauerstoff. Vielleicht sehen wir uns bald wieder.“

Er rast davon. Wir schauen uns fragend an: „Was war das? Ein Träumer, ein Verrückter?“ Wir wissen es nicht.

Maria Eifrig, Januar 2017